Während der Apnoe findet zwar kein Gasaustauch zwischen der Lunge und der Umgebungsluft
statt, wohl aber zwischen Lunge und dem Blut.
Nach und nach wird der noch in der Lunge vorhandene Sauerstoff vom Blut aufgenommen
und zu den Organen transportiert, wo er verbraucht wird.
Als Verbrennungsprodukt entsteht CO2, das vom Blut wieder zurück zur
Lunge transportiert wird. Hier steigt während der Apnoe der CO2-Partialdruck
kontinuierlich an. Dieser ist jedoch Hauptauslöser unseres Atemreizes. Steigt er über einen gewissen
Schwellenwert gibt dies unserem Atemzentrum ein unmissverständliches Signal: Wir wollen auftauchen und atmen!
Zu Beginn des Trainings steht dieses Gefühl und der Reaktion darauf im Vordergrund.
Nur weil der Atemreiz einsetzt, ist das Atmen noch nicht zwingend erforderlich. Es ist
möglich, über diesen Zeitpunkt hinaus unter Wasser zu bleiben. Jedoch wird das Zwerchfell
in dieser Phase des Tauchgangs anfangen eine unwillkürliche Atembewegung trotz geschlossener
Atemwege auszuführen (Zwerchfellkontraktion genannt).
Ungeübte veranlässt dies zum sofortigen Auftauchen, jedoch wird im Training
gelernt diese Kontraktionen bis zu einem gewissen Maß zu ertragen. Dabei steigt
der CO2-Partialdruck ständig an, was zu einem verstärken der Kontraktionen
führt. Diese Phase des Tauchgangs wird auch Struggling-Phase genannt, da man aktiv
gegen seinen Atemreiz ankämpfen muss.
Allerdings bestimmt nicht nur die Willensstärke allein die Apnoezeit.
Denn während der Atemreiz immer stärker wird, nimmt auch der O2
Partialdruck weiter ab. Nähert man sich dem Schwellenwert droht eine Ohnmacht
die ohne Sicherung tödlich enden kann.
Gut trainierte Apnoetaucher haben den Willen ihre Luft solange anzuhalten, bis dieser
Punkt eintritt, was allerdings von niemanden gewünscht wird.
Ein erfahrener Apnoeist weiß, bis zu welchem Punkt getaucht werden kann und
wann wieder geatmet werden muss, um einen Blackout
oder einen LMC zu vermeiden. Er orientiert sich
dabei unter anderem an der Stärke des Atemreizes. Dies ist ein weiterer Grund gegen
Hyperventilation, da sie den Atemreiz
verzögert.
Neben obigen Phänomenen kommt bei einem Tieftauchgang noch die Druckveränderung, die sich auch auf die verschiedenen Partialdrücke des Atemgases auswirkt, dazu. Zwei Aspekte werden hier besonders hervorgehoben.
Durch die Drucksteigerung beim Tieftauchen, sollte man annehmen, dass durch den erhöhten CO2-Partialdruck auch der Atemreiz entsprechend zunimmt. Dies ist jedoch nicht der Fall. Messungen haben ergeben, dass Druckschwankungen der Umgebung sich kaum auf den CO2-Partialdruck in unseren Lungen auswirken. Der Grund ist die gute Löslichkeit von Kohlenstoffdioxid unter hohem Druck im Körpergewebe. Daher ist die Struktur des Atemreiz bei einem Tauchgang in die Tiefe nicht wesentlich anders als bei einem Streckentauchgang.
Ganz anders verhält sich der Sauerstoffpartialdruck in unserer Lunge, er entwickelt sich
während des Abtauchens praktisch analog dem Umgebungsdruck.
Schon auf einer Tiefe von 10m beträgt er ca 0.42bar im Gegensatz zu 0.21bar
an der Oberfläche. Unserem Körper wird also eine Sauerstoffüberversorgung vorgetäuscht.
Durch den hohen O2-Partialdruck sind Ohnmachten in Tiefen unterhalb von 10m-20m
tatsächlich höchst selten.
Probleme jedoch bereitet das Auftauchen. In kurzer Zeit sinkt der Umgebungsdruck
und damit der O2-Partialdruck in unserer Lunge ab. Der schnelle Druckabfall
(signifikant schneller als bei einem Static-Tauchgang) kann eine plötzliche Ohnmacht
ohne jegliche Vorwarnung beim Auftauchen (typischerweise kurz vor der Oberfläche auslösen).
Eine Absicherung des Tauchenden durch einen erfahrenen Freitaucher
ist hier zwingend erforderlich.
Kommt unser Gesicht mit Wasser in Berührung, so reagiert der Körper unmittelbar auf dieses Ereignis. Der sogenannte Tauchreflex ist hat gleich mehrere Auswirkungen, von denen im Folgenden einige vorgestellt werden.
Taucht unser Gesicht ins Wasser ein, sinkt sofort die Herzfrequenz. Der Körper gelangt somit in einen energiesparenden Ruhemodus. Selbstversuche zeigten bei uns eine Pulsreduktion von ca. 65 Schlägen an der Oberfläche auf etwa 45 Schläge die Minute nach 30 Sekunden statischer Apnoe.
Taucht der Körper ins Wasser ein, so verursachen die geänderten Druckverhältnisse eine Verlagerung des Blutvolumen in Richtung Rumpf. Daher werden die Extremitäten nur noch wenig mit Blut und Sauerstoff versorgt. Der Körper beschränkt also die Versorgung auf die wesentlichen Organe.
Ein etwas unangenehmer Nebeneffekt davon ist die sogenannte Taucherdiurese. Durch das hohe Blutvolumen im Thoraxraum wird dem Körper eine zu große Flüssigkeitsmenge in den Gefäßen vorgetäuscht. Die Nieren bilden daher zum Ausgleich eine überhöhte Menge Urin. Problematisch wird dieser Effekt bei längeren Sessions oder großer Hitze. Der Körper verliert unmerklich große Flüssigkeitsmengen, die durch reichliches Trinken ausgeglichen werden müssen.
Im menschlichen Körper befinden sich einige luftgefüllte Hohlräume, die beim Abtauchen die Auswirkungen der Druckschwankungen zu spüren bekommen. Prominentestes Beispiel dafür sind wohl die Ohren (genauer das Mittelohr). Zum Ausgleich muss der Taucher Luft aus seinen Lungen in die entsprechende Körperhöhle drücken. Wird der Druck in diesen Bereichen nicht aktiv ausgeglichen, drohen schwere Verletzungen (sogenannte Barotraumen) der betroffenen Körperhöhlen.
Unsere Lunge ist unter diesem Aspekt besonders interessant. Da sich die Lunge im teilweise elastischen Brustkorb befinden kann sie unter dem erhöhten Umgebungsdruck ihr Volumen verringen (ähnlich wie bei der Ausatmung). Dies ist jedoch, je nach Beweglichkeit der Rippen und Elastizität des Zwerchfells, nur bis zu einer Tiefe von 25m-35m möglich. Jenseits dieser Tiefe befindet sich die Lunge in einem Zustand maximaler Ausatmung. Taucht man tiefer stellt sich eine Druckdifferenz zwischen dem Innenraum der Alveolen und des umgebenden Gewebes ein. Dies führt zu Ödemen oder Einblutungen in die Lungenbläschen, also schwere und ernstzunehmende Verletzungen der Lunge.
Allerdings schaffen es viele Apnoeisten deutlich unter diese perönliche Tiefengrenze zu tauchen.
Dies lässt sich durch den sogenannten Bloodshift erklären.
Ein hoher Umgebungsdruck reaktiviert einen (aus evolutionärer Sicht) alten Reflex des Menschen.
Es strömt vermehrt Blut in die Kapillargefäße der Lunge. Diese Volumenzunahme
des umgebenden Gewebes reduziert das Innenvolumen der Alveolen und damit
die gefährliche Druckdifferenz.
Dieser Reflex ist jedoch nicht bei jedem Menschen gleich ausgebildet. Darüberhinaus
benötigt er einen häufigen Aufenthalt in größeren Tiefen, um sich in dem gewünschten
Maße zu entwickeln. Auch hier ist Training also wieder alles.